Unser nächstes Treffen mit Fortbildung und Diskussion findet dieses Mal an einem Montag, den 05. Mai 2025 in gewohnter Weise von 18:00 bis 20:00 Uhr im Hörsaal des Biopark I (Erdgeschoss links), Am Biopark 9, 93053 Regensburg, statt.
Praktische Testverfahren zur Differenzierung von Schmerzen
Die Teilnehmenden erfahren, wie Quantitative Sensorische Testung (QST) und ergänzende Tests – wie Kraft-, Reflex- und Algesietests – zur Differenzierung von Schmerzen (neuropathisch, noziplastisch und nozizeptiv) eingesetzt werden können. Dabei wird der klinische Kontext berücksichtigt, um die Befunde in eine fundierte Therapieplanung zu integrieren.
Nach einer kurzen Einführung der theoretischen Grundlagen der verschiedenen Schmerzarten werden die standardisierten sensorischen Tests wie thermische Tests, mechanische Schmerz- und Druckschmerzschwellen-Tests mittels Algometer, Vibrationsdetektion oder weitere ergänzende Tests wie Kraft- und Reflextests oder Algesietests vorgestellt. Eine Live-Demonstration der Tests ist ebenso vorgesehen wie klinische Fallbeispiele, Kleingruppenarbeit und Diskussion.
Verständnis für Schmerzarten – Einbezug klinischer Kontext
Unsere Frühjahrsveranstaltung kombiniert fundierte theoretische Grundlagen zu Diagnosekriterien mit Testverfahren und klinischer Praxis. Die Teilnehmenden erhalten nicht nur ein Verständnis für die unterschiedlichen Schmerzarten, sondern lernen auch, wie sie mithilfe standardisierter quantitativer sensorischer Testungen und ergänzender klinischer Tests differenzierte Diagnosen stellen und individuelle Therapieansätze ableiten können.
Webinar am 16.1.2025 mit Georg Supp zur Best Practice in der Physiotherapie
Was verstehen Studierende und junge Kolleg*innen unter Best Practice in der Physiotherapie? Welche Rolle spielen Outcomes dabei? Diese und andere spannende Fragen diskutierte Georg Supp, Physiotherapeut aus Freiburg, im interaktiven Webinar mit den Teilnehmer*innen von der OTH Regensburg. Auf Einladung von Prof. Andrea Pfingsten gestaltete Georg Supp ein abwechslungsreiches, praxisbezogenes Online- Event.
Patient Reported Outcomes
Physios sind richtig gut, wenn es um CROMs – die Clinician Reported Outcomes – geht. Fragen, messen, evaluieren. Das können wir. Die Perspektive der Patient*innen erfassen die sogenannten PROMs – die Patient Reported Outcomes. Die Teilnehmer*innen am Webinar erfuhren, welche Vorteile generische gegenüber Körperspezifischen PROMs haben und wie Therapeut*innen die erfassten Daten zur Verbesserung der Behandlung einsetzen können. Georg Supp berichtete, was er und sein Team aus der Analyse von mittlerweile fast 8.000 Fragebögen lernen konnten und gab Tipps, wie Best Practice in der täglichen Praxis machbar ist. Die Teilnehmer*innen waren stets gefragt, aktiv dabei zu sein.
Wir freuen uns sehr, dass Prof. Dr. Andrea Pfingsten, Leiterin des Labors Physiotherapie am RCHST der OTH Regensburg, zum World Physiotherapy Congress (WPC) vom 29. bis 31. Mai 2025 nach Tokio (Japan) eingeladen ist.
In ihrem Vortrag mit dem Titel „Biomechanical characteristics of knee rehab exercises: A new approach for data-based exercise selection“ referiert sie zu Ergebnissen biomechanischer Parameter in Verbindung mit der Auswahl und Steigerung von Rehabilitationsübungen des Kniegelenks.
Im Rahmen einer Querschnittsstudie innerhalb vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Forschungsprojektes MyReha-digital, einem Verbundprojekt mit Partnern aus Industrie und den Forschungslaboren Physiotherapie und Biomechanik, konnten bei 30 gesunden Personen Daten zu den folgenden Übungen und Alltagsbewegungen erhoben werden: Gehen, Treppensteigen mit/ohne Geländer, Hinsetzen und Aufstehen mit/ohne Armlehnen, Hocke, Unterschenkelstreckung im Sitz, Ausfallschritt, sagittale und ventrale Gewichtsverlagerungen, Einbeinstand in drei Koordinationsstufen, Treppauf-Schritt und Treppab-Schritt.
Die Erfassung der Bewegungsdaten erfolgte mit dem markerlosen optischen Motion Capture System „TheCaptury“ (Deutschland). Eine Berechnung der kinematischen Daten und die Simulation der kinetischen Daten erfolgte mit „AnyBody Technology (Dänemark).
Es konnte festgestellt werden, dass spezifische Übungen wie Ausfallschritte oder Kniebeugen sowie zahlreiche Aktivitäten des täglichen Lebens eine hohe Belastung an die Kniegelenke hinsichtlich der Gelenkkinematik, der Gelenkkräfte und der Muskelaktivität stellen. Bemerkenswerterweise wiesen Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Gehen und Treppensteigen, vergleichsweise hohe Anforderungen auf. Im Gegensatz dazu sind beispielsweise die Anforderungen bei Gleichgewichtsverlagerungen im Stand oder einbeinigen Standvariationen gering.
Die vorliegenden Ergebnisse markieren einen Fortschritt in Richtung einer auf Daten basierenden Auswahl von Übungen und der Entwicklung maßgeschneiderter Rehabilitationsprogramme. Zudem illustrieren sie das erfolgreiche synergetische Zusammenwirken von Forschenden aus unseren Laboren Biomechanik und Physiotherapie am Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST).
Wir wünschen Prof. Dr. Andrea Pfingsten viel Erfolg und Freude für Ihren Vortrag beim WPC in Japan!
Rückblick auf den Vortrag beim 42. Berliner Arthroskopie-, Gelenk- und Sport-Symposium
Am 10. Januar hat unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Valentin Schedel, Physiotherapeut, M.Sc., im Rahmen des 42. Berliner Arthroskopie-, Gelenk- und Sport-Symposiums in Oberwiesenthal einen Vortrag zum Thema „Möglichkeiten der prä- und postoperativen Schmerzedukation im Kontext von Knie-TEP“ präsentiert. Der Fokus lag auf Pain Neuroscience Education (PNE), einer evidenzbasierten Therapieform, die durch gezielte Aufklärung über Schmerzmechanismen das Verständnis der Patientinnen und Patienten stärkt und ihre Selbstwirksamkeit fördert. Aktuelle Studienergebnisse wurden vorgestellt, wobei insbesondere die Bedeutung spezifischer Edukationsinhalte und die Integration von PNE vor und nach einer Kniearthroplastik im Mittelpunkt standen.
Ein besonderes Dankeschön geht an Tobias Jung und Dennis Liem für die Einladung und die mustergültige Organisation des Symposiums. Diese Veranstaltung war eine großartige Gelegenheit, die Arbeit des Regensburg Center of Health Sciences and Technology sowie die Forschungsarbeit der Physiotherapie einem fachkundigen Publikum zu veranschaulichen. Es war eine große Ehre und ein bereichernder Austausch, die Rolle der Physiotherapie in einem traditionell anästhesistischen Handlungsfeld in einer Vortrag-Session vorstellen zu dürfen.
Wie können künstliche neuronale Netze die Diagnose und Therapie von Kniegelenkserkrankungen unterstützen? Das Projekt KINEESIO trainiert KI-gestützte Screening-Tools, die eine bessere Differenzierung individueller Beschwerden ermöglichen und Entscheidungsprozesse in der Versorgung unterstützen. Ziel ist es, Ressourcen im Gesundheitswesen zu schonen und eine qualitativ hochwertige Therapie zu gewährleisten. Ein professionsübergreifendes Forschungsteam der Disziplinen Physiotherapie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Digital- und Schaltungstechnik, Medizinische Bilddatenverarbeitung und Biometrie hat dazu einen innovativen KI-basierten Ansatz entwickelt.
Promotion in der Physiotherapie im BayWiss-Verbundkolleg Gesundheit
Die Physiotherapie an der OTH – Regensburg feiert einen Meilenstein: Frau Prof. Dr. Hanna Brandt hat erfolgreich ihre Promotion abgeschlossen. Sie ist die erste Physiotherapeutin, die im Rahmen des Verbundkollegs Gesundheit, einer Kooperation der OTH Regensburg mit der Universität Regensburg, promoviert hat. Ihre Arbeit mit dem Titel „Exoskelettale Unterstützung in der Pflege“ wurde von Prof. Dr. Andrea Pfingsten betreut und zeigt die hohe Qualität der Physiotherapieforschung an der OTH-Regensburg. Herzlichen Glückwunsch an Prof. Dr. Hanna Brandt!
Innovation in der Pflege: Exoskelette als Unterstützungssystem
Im Mittelpunkt ihrer Dissertation stand die Frage, wie Exoskelette die körperliche Belastung von Pflegekräften reduzieren können. Prof. Dr. Brandt kombinierte die Methoden der Elektromyographie und des Motion Capturing mit einer qualitativen Untersuchung der Einsatzmöglichkeiten und der Nutzerakzeptanz.
Durch den Mixed-Method-Ansatz gelang es, die muskuläre Aktivität des unteren Rückens, den Bewegungsablauf sowie das subjektive Erleben der Pflegenden während des Transfers zu erfassen. Das Ziel: praktische Lösungen zu entwickeln, die langfristig die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern, Krankheitstage reduzieren und den Pflegeberuf attraktiver machen.
Prof. Dr. Hanna Brandt während der praktischen Untersuchung ihres Promotionsprojekts: Der Transfer einer Puppe mit Unterstützung eines Exoskeletts zur Reduktion der körperlichen Belastung von Pflegekräften, Fotoaufnahme: Prof. Dr. Hanna Brandt
Gelebte Interdisziplinäre Forschung
Die Dissertation von Prof. Dr. Brandt zeigt das Potenzial der interdisziplinären Forschung an der OTH Regensburg. Ihr Projekt vereint Kompetenzen aus den Bereichen Physiotherapie, Ergonomie und Biomechanik. Neben der Betreuung wurde das Projekt auch von Prof. Dr. Sebastian Dendorfer vom Labor für Biomechanik am Regensburg Center of Health Sciences and Technology unterstützt.
Prof. Dr. Hanna Brandt bei der Verteidigung ihrer Doktorarbeit „Exoskelettale Unterstützung in der Pflege“ Fotoaufnahme: A. Leis
Prof. Dr. Brandt adressiert mit ihrer Arbeit die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen mittels technischer Ansätze. Der Einsatz von Exoskeletten, die bislang vor allem in der Industrie genutzt werden, zeigt Potenzial, auch in der Pflege zur Entlastung der Beschäftigten beizutragen und somit Fachkräftemangels entgegenzuwirken.
Blick in die Zukunft
Für Prof. Dr. Brandt endet mit der Promotion ein wichtiger Lebensabschnitt – doch ihre Begeisterung für Wissenschaft und interdisziplinäre Zusammenarbeit bleibt. Seit kurzem ist sie Professorin für physiotherapeutische (Differential-)Diagnose an der Technischen Hochschule Rosenheim und bringt dort ihre Expertise in Lehre und Forschung ein.
Die Mitarbeitenden des Labors Physiotherapie, dem Prof. Dr. Brandt ehemals angehörte, sind sehr stolz auf sie und gratulieren ihr herzlich zu diesem beeindruckenden Erfolg.
Prof. Dr. Hanna Brandt (links) wurde durch Prof. Dr. Andrea Pfingsten (rechts) betreut, Fotoaufnahme: A. Leis
Neu: Promotionszentrum Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Gestaltung von Transformationsprozessen
Eine weitere gute Nachricht: An der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg wird künftig ein Promotionszentrum „Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Gestaltung von Transformationsprozessen (SGT)“ angesiedelt sein. Dieses Graduiertenkolleg SGT ist wegweisend im Bereich Gesundheit. Übergeordnetes Forschungsziel ist die Sicherung und Verbesserung des bio-psycho-sozialen Wohlbefindens des Menschen in Zeiten großer gesellschaftlicher Transformationen.
Bericht von Svenja Lausterer, Studentische Hilfskraft im Labor Physiotherapie am Regensburg Center of Health Science and Technology (RCHST)
Diesen November kamen im Regensburg Center of Health Sciences and Technology an der OTH Fachkräfte aus Wissenschaft und Praxis zu einem Workshop zusammen, um den Austausch zur Weiterentwicklung der Physiotherapie zu fördern. Unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Pfingsten stand die Veranstaltung ganz im Zeichen der Pain Neuroscience Education (PNE) – einem innovativen Ansatz zur Schmerzbehandlung.
Ob Forschung oder Praxis – mit der Physiotherapie, das ist die Vision des „mit Physio“ Netzwerks!
PNE ist ein evidenzbasierter Ansatz zur Vermittlung von Schmerzmechanismen und deren biopsychosozialen Einflüssen. Ziel ist es, Patient*innen nicht nur ein besseres Verständnis für ihre Schmerzen zu ermöglichen, sondern auch Strategien zur Selbstwirksamkeit zu vermitteln. Besonders bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen zeigt PNE in Kombination mit Bewegungstherapien vielversprechende Ergebnisse.
Highlights des Netzwerk-Treffens
1. Wissenschaftliche Grundlagen und Geschichte der PNE
Historische Entwicklung: Von den frühen Schmerztheorien der Antike (Aristoteles, Galen) über die Gate-Control-Theorie von Melzack und Wall (1965) bis hin zum modernen biopsychosozialen Schmerzmodell.
Neueste Forschung: Aktuelle Studien (z.B. Cuenca-Martínez et al., 2023) zeigen, dass PNE kombiniert mit multimodalen Therapien wie Bewegungstraining signifikante Verbesserungen bei psychosozialen Variablen wie Schmerzkatastrophisierung und Bewegungsangst erzielen kann.
2. Praktische Anwendung von PNE
Individuelle Anpassung: Die Wirksamkeit von PNE hängt stark von den Patient*innenmerkmalen ab, wie Alter, kulturellem Hintergrund und Bildungsstand. Tools wie der Central Sensitization Inventory (CSI) oder das Keele STarT MSK Tool helfen bei der Risikobewertung und individuellen Anpassung der Therapie.
Schmerzphänotypen: Eine gezielte Anwendung unterscheidet zwischen nozizeptivem, neuropathischem und noziplastischem Schmerz.
Dosierungsempfehlungen: Optimale Ergebnisse werden durch Sitzungen von 40–50 Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche über einen Zeitraum von 4–5 Wochen erzielt (Núñez-Cortés et al., 2024).
3. Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Forschungslücken: Trotz positiver Ergebnisse besteht ein Mangel an qualitativ hochwertigen Primärstudien und standardisierten Protokollen.
Multimodale Ansätze: Neben PNE sollten Stressmanagement, Schlafhygiene und Ernährung stärker integriert werden.
Kulturelle Anpassungen: Studien wie Salazar-Méndez et al. (2024) unterstreichen die Bedeutung kultureller und bildungsbezogener Anpassungen.
4. Diskussion und Austausch
Die Teilnehmer*innen diskutierten praktische Herausforderungen bei der Umsetzung von PNE in der täglichen Arbeit. Besonders hervorgehoben wurden die Chancen und Barrieren bei der Nutzung von didaktischen Materialien wie den „Why You Hurt“-Karten.
Fazit
Das Treffen zeigte, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch für die Weiterentwicklung der Physiotherapie ist. PNE bietet ein enormes Potenzial, Patient*innen mit chronischen Schmerzen zu helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Gleichzeitig bleibt die Notwendigkeit, die Forschung zu standardisieren und die praktische Umsetzung weiter anzupassen.
Seien Sie beim nächsten mit-Physio Netzwerk-Treffen dabei und erleben Sie, wie Forschung und Praxis Hand in Hand gehen!
Am 12. Oktober 2024 fand im Landratsamtssaal in Neumarkt in der Oberpfalz eine Fachveranstaltung zum Thema „Physiotherapie im Spannungsfeld einer sich wandelnden gesundheitspolitischen und sozialen Struktur“ mit rund 70 Teilnehmenden statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Dr. Janka, Chefarzt der Neurochirurgie am Klinikum Neumarkt. Im Rahmen einer Kooperation nahmen auch zwei wissenschaftliche Mitarbeiter*innen der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) aus dem Labor Physiotherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Pfingsten teil. Sie beteiligten sich aktiv mit Vorträgen und regten zur Diskussion über die Entwicklung des Berufsbildes Physiotherapie und die damit verbundenen Herausforderungen an.
Akademisierung und Professionalisierung der Physiotherapie
Herr Schedel, M.Sc. hielt im Rahmen der Veranstaltung einen Vortrag mit dem Titel „Akademisierung der Physiotherapie – Herausforderungen der Profession meistern“. In seinem Vortrag gab er spannende Einblicke in die aktuelle Entwicklung der Physiotherapie und legte einen besonderen Fokus auf die berufssoziologische Betrachtung. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, welche Rolle die Physiotherapie in einer sich verändernden Gesellschaft zukünftig einnehmen sollte. Die Akademisierung wurde dabei nicht als Selbstzweck, sondern als wesentlicher Schritt zur Disziplinbildung und Professionalisierung gesehen. Diese Sichtweise steht in engem Zusammenhang mit der Professionsforschung, die den Übergang von einem Beruf zu einer Profession als einen Prozess beschreibt, der durch wissenschaftliche Fundierung und zunehmende Autonomie der Berufsangehörigen gekennzeichnet ist.
Selbstdefinition der Physiotherapie als Profession
Ein weiterer zentraler Aspekt der Darstellung war die Diskussion der Selbstdefinition der Physiotherapie als Profession. Dabei wurden berufssoziologische Theorien aufgegriffen, um typische Merkmale einer Profession wie strenge Ausbildungsregelungen, eine klar definierte wissenschaftliche Wissensbasis und eine hohe Entscheidungsautonomie herauszuarbeiten. Diese Merkmale wurden den aktuellen Entwicklungen in der Physiotherapie gegenübergestellt, die bisher von einer Teilakademisierung und einer Professionalisierung in den Kinderschuhen geprägt sind.
Anforderungen aus Sicht der Patient*innen und des Gesetzgebers
Darüber hinaus beleuchtete der Vortrag die Anforderungen an die Physiotherapie sowohl aus Sicht der Patient*innen als auch der Gesetzgeber. Besonders hervorgehoben wurde die evidenzbasierte Praxis als zentrales Element der Professionalisierung. Die Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse in den klinischen Alltag sei essentiell, um den steigenden Anforderungen an die Patientenversorgung gerecht zu werden.
Diskussion zur Vollakademisierung der Physiotherapie
Der Vortrag regte zur Diskussion an, insbesondere über die Frage, inwieweit die Vollakademisierung der Physiotherapie die Qualität der Patientenversorgung nachhaltig verbessern kann. Insgesamt bot der Vortrag einen tiefen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Physiotherapie und skizzierte die notwendigen Schritte, um den Beruf weiterzuentwickeln und langfristig als eigenständige Profession zu etablieren.
Fachveranstaltung für Physiotherapie am Klinikum Neumarkt. V.l.n.r. Dr. Michael Janka (Chefarzt Klinikum Neumarkt), Willibald Gailler (Landrat Neumarkt), Christiane Kopp (Osteopathin), Stephanie Stigler (Physiotherapeutin, Spiraldynamik), Valentin Schedel (Physiotherapeut M.SC.) und Elke Schulze (Physiotherapeutin M.SC.). Foto: Janka.
Rolle der Manuellen Therapie in der modernen Physiotherapie
Der Vortrag von Elke Schulze, M.Sc. ACP OMT stand unter dem Titel „Die Rolle der Manuellen Therapie in der modernen Physiotherapie“ und beleuchtete sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktische Anwendung der Manuellen Therapie (MT). Frau Schulze stellte sich mit ihrer über 25-jährigen Erfahrung als MT-Dozentin und ihrer umfangreichen OMT-Ausbildung vor. Sie betonte die Bedeutung der MT bei der Behandlung von neuromuskuloskelettalen (NMS) Problemen. Die Manuelle Therapie basiert auf spezifischen Techniken zur Schmerzbehandlung und funktionellen Wiederherstellung auf der Grundlage des „Clinical Reasoning“, also der individuellen Anpassung der Therapie.
Fortgeschrittene Praxis in der Physiotherapie
Ein Beispiel für moderne Physiotherapie ist das Modell der „Advanced Practice in Physiotherapy“ (APP), das zusätzliche Fertigkeiten wie Injektionen und Medikamentenverordnungen sowie eine orthopädische Trage beinhalten kann. Schulze kritisierte, dass Deutschland hier international hinterherhinke, während andere Länder wie Großbritannien und Kanada APP bereits gewinnbringend einsetzten.
Evidenz und Ausbildung in der Manuellen Therapie
Schulze zitierte Studien, die die Wirksamkeit der MT bei Erkrankungen wie Schulterschmerzen und Kniearthrose belegen, wobei die MT in Kombination mit Bewegung zu signifikanten Verbesserungen führen kann. Sie verglich die Ausbildungsstrukturen international und stellte fest, dass die deutsche MT-Ausbildung mit 260 Unterrichtseinheiten hinter den internationalen Standards zurückbleibt, die zumeist im Rahmen eines Masterstudiums ausbilden. Ein weiteres Problem sei die uneinheitliche Qualität der Lehre in Deutschland.
Praxisbeispiele aus der Manuellen Therapie und Fazit
Anhand von Praxisbeispielen demonstrierte sie die Anwendung der MT bei typischen Beschwerden wie Schulter- und Knieschmerzen und betonte den integrativen Charakter der MT. Abschließend diskutierte sie die Herausforderungen und Chancen der MT, wobei sie die Bedeutung einer evidenzbasierten Praxis und die Rolle der MT als Assessmentverfahren zur Differentialdiagnostik hervorhob. In der anschließenden Diskussion wurden die Erfahrungen der Teilnehmenden mit der MT vertieft.
Der Vortrag von Frau Schulze bot wertvolle Einblicke in die Stellung der Manuellen Therapie in der modernen Physiotherapie, insbesondere im Hinblick auf die evidenzbasierte Anwendung und die Herausforderungen in der Ausbildung. Die Integration der MT in die moderne Physiotherapie ist eine spannende Entwicklung, die in Deutschland noch nicht etabliert ist.
als Leiterin des Labors für Physiotherapie der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg lade ich Sie herzlich zum 4. Treffen des Netzwerks „mit Physio“ ein.
Ob Forschung oder Praxis – mit der Physiotherapie, das ist die Vision des „mit Physio“ Netzwerks.
Unser nächstes Treffen mit Fortbildung und Diskussion findet am Dienstag, den 05. November 2024, von 18:00 bis 20:00 Uhr im Hörsaal des Biopark I (Erdgeschoss links), Am Biopark 9, 93053 Regensburg, statt.
Thema der Veranstaltung: Pain Neuroscience Education (PNE)
Die Behandlung von Schmerzpatientinnen und -patienten ist in der Praxis ein allgegenwärtiges Phänomen, mit dem jede Therapeutin und jeder Therapeut vertraut ist. Die Angst vor dem Schmerz wird oft als stärker empfunden als der Schmerz selbst (Adriann Louw & „Louie“ Puentedura, 2018).
Die daraus resultierenden Schonhaltungen und kompensatorischen Muster führen zu weiteren Problemen, Schmerzsymptomen und letztlich zu Frustration. Zudem ist eine ausgeprägte Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten an den Therapieerfolg zu beobachten, der eine Linderung der Schmerzen mit sich bringen soll.
Das Konzept der „Pain Neuroscience Education“, kurz PNE, stellt einen therapeutischen Ansatz zur Aufklärung über die Vorgänge im menschlichen Körper bei Schmerzen und neuromuskuloskelettalen Erkrankungen für die physiotherapeutische Praxis dar. Ziel ist es, ein Verständnis für Schmerzmechanismen, deren biopsychosoziale Einflüsse sowie mögliche Selbstwirksamkeitsstrategien zu vermitteln.
In unserer Herbstveranstaltung wollen wir auf die Entwicklung und die verschiedenen Strömungen der PNE eingehen und eine Plattform für die Diskussion der verschiedenen Ansätze bieten. Unter anderem präsentieren wir eine deutsche Übersetzung der „Why You Hurt“-Karten von Adriaan Louw (2016) und thematisieren deren Umsetzung in der Praxis.
Veranstaltungsleitung und Begrüßung: Prof. Dr. Andrea Pfingsten; Referentinnen und Referenten: Elke Schulze; PT M.Sc., Johannis Mertens; PT M.Sc., Valentin Schedel; PT M.Sc.
Lassen Sie uns weiter daran arbeiten, die evidenzbasierte Physiotherapie voranzubringen. Schlagen wir gemeinsam Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis.
Sie finden den Fortbildungsraum gleich im Erdgeschoss links. Kostenlose Besucherparkplätze sind hinter dem Gebäude vorhanden. Die Schranke öffnet sich automatisch. Für die Ausfahrt benötigen Sie einen Chip, den Sie während der Veranstaltung bekommen.
Prima Neuigkeit! Das künftige Promotionszentrum Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Gestaltung von Transformationsprozessen ist an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg angesiedelt. Bereits im September 2023 hatte die OTH Regensburg im Verbund mit der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg Georg Simon Ohm und der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) München drei Promotionszentren bewilligt bekommen.
Promotion in sechs Fachbereichen
Beim Festakt zur Verleihung des eigenständigen Promotionsrechts am 16. Juli 2024 hatte Dr. Tobias Haaf, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, in seinem Grußwort eine überaus erfreuliche Nachricht zu verkünden. Drei i weitere Promotionszentren des Verbunds kommen hinzu, darunter ein zweites mit Standort Regensburg. Zukünftig können Absolventinnen und Absolventen ihren Doktorgrad in sechs Forschungsgebieten erwerben.
OTH Regensburg (mit HAW München und TH Nürnberg):
Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Gestaltung von Transformationsprozessen (SGT)
Angewandte Informatik
TH Nürnberg Georg Simon Ohm (mit HAW München und OTH Regensburg:
Energietechnik
Materialien und Produktionstechnik
HAW München (mit OTH Regensburg und TH Nürnberg):
Physical and Biomedical Engineering
Integrales Bauen
Foto: Während des Festakts zum eigenständigen Promotionsrecht. Aufnahme: Prof. Dr. Andrea Pfingsten